Mozart, Wagner und Rimsky-Korsakov in Naila, Speichersdorf und Bamberg

04.07.2026

Es ist schon ein eigenwilliger Klangkörper, das Jugendsymphonieorchester Oberfranken (JSO). Alljährlich treffen sich seit mittlerweile über 40 Jahren an Ostern begabte junge Musiker zwischen 14 und 25 Jahren und studieren eine Woche lang unter der Leitung eines renommierten Dirigenten ein hochkarätiges Programm ein. Till Fabian Weser, im Hauptberuf Trompeter bei den Bamberger Symphonikern, ist dabei nicht nur Dirigent, sondern auch Pädagoge, Kollege und ein Musiker, der es versteht, die jungen Leute zu fordern und zu fördern. In einer kleinen, eindrucksvollen Tournee am Osterwochenende mit drei umjubelten Konzerten in Naila (Landkreis Hof), Speichersdorf (Landkreis Bayreuth) und Bamberg hat das JSO gezeigt, was es heißt, unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm einzustudieren und aufzuführen.

Till Fabian Weser war es in einer intensiven Probenwoche im Schullandheim von Pottenstein in der Fränkischen Schweiz einmal mehr gelungen, zusammen mit namhaften Dozenten in nur einer Woche Probenzeit aus 94 jungen Musikern einen Klangkörper zusammenzuschweißen. Und das mit einem überaus anspruchsvollen Programm: Neben dem Vorspiel und dem Liebestod aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“ gab es das Oboenkonzert C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und als Hauptwerk Nikolai Rimsky-Korsakovs sinfonische Suite „Scheherazade“.

Die Story vom tyrannischen Sultan, der sich von Scheherazade und ihren Geschichten aus Tausendundeiner Nacht besänftigen lässt, war das Hauptwerk. Für Scheherazade steht dabei eine tiefbewegende Melodie, die von der Geigerin Elisabeth Schöneck interpretiert wurde. Beschwörend umrankte die Solistin das zornige Blech des Sultans. Till Fabian Weser hat es nicht nur geschafft, das gesamte Orchester perfekt einzustudieren, sondern auch, die Geschichte in großen Bögen zu erzählen und dabei die vielen Takt- und Tempowechsel imponierend zu bewältigen.

Als Solokonzert spielte das Projektorchester das C-Dur-Oboenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart mit der Solistin Antonia Greifenstein. Ruhig und anmutig gestaltete der Dirigent den Orchestersatz, zurückhaltend, aber dennoch virtuos spielte Antonia Greifenstein ihre Solopartie. Was zählt ist letztlich das vollkommene Zusammenspiel: absolut homogen, vom Orchester dynamisch ausgestaltet und von der Solistin wunderbar phrasiert.

Zum Auftakt gab es das Vorspiel und den Liebestod aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“. Solistin war die stimmlich überwältigende polnische Sopranistin Aleksandra Gawrych. Sie interpretierte den Liebestod mit durchschlagkräftigem Sopran und erhob sich strahlend klangschön über das Orchester. Dirigent Till Fabian Weser hatte es dabei auch verstanden, die jungen Musiker zu einem heißblütigen Legato-Spiel zu animieren. 

„In unserem Orchester können sich junge Talente entfalten, gleichzeitig schafft die intensive Zusammenarbeit eine starke Verbindung unter den Musikerinnen und Musikern“, so Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Die Trägerschaft des Orchesters liegt beim Bezirk Oberfranken und seiner Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau.

Text: Stephan Herbert Fuchs